"I just knew that I had to tell the world that there was torture, an undercover war against women. But this is not one person's war – all of us have to do something."

Waris Dirie

"If a white man or woman saw a white child that is mutilated, there would be screaming. I guarantee it would end.“

Waris Dirie
* ca. 1965 in Galkayo, Somalia
Staatsangehörigkeit bei Geburt: Somalisch
Mutter

* aus dem Stamm der Hawiye
Vater

* aus dem Stamm der Daarood
11 Geschwister

Land des Kampfes für die Menschenrechte: International
Bereich Art Von Bis Ort
Model 1987 1997 International
UN-Sonderbotschafterin 1997 2003
Menschenrechtsaktivistin 1997 Gegenwart
Gründung der Desert Flower Foundation 2002

Leitmotiv

Der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung und die Förderung von Frauenrechten

Wie wurde die Geschichte bekannt?

Waris Diries Geschichte wurde erstmals bekannt, als sie sich 1997 in einem Interview für das Magazin Marie Claire dazu entschied über die Female Genital Mutilation (FGM – weibliche Genitalverstümmelung) zu sprechen. Sie hat danach mehrere Interviews zu diesem Thema geführt. 1998 hat sie ihre Autobiographie Wüstenblume (Engl. Desertflower) veröffentlicht.

Wann wurde die Geschichte bekannt?

1997 durch das Interview in der Zeitschrift Marie Claire.

Wo wurde die Geschichte bekannt?

Durch die große mediale Aufmerksamkeit wurde die Geschichte schnell international bekannt.

Preise, Auszeichnungen

Waris Dirie hat viele Preise und Auszeichnungen erhalten, u.a. diese:

  • 1999: ‚Afrika-Preis‘ der Deutschen Afrika Stiftung e.V.
  • 2000: ‘Woman of the Year Award’ des Magazins Glamour
  • 2002: ‚Corine – Internationaler Buchpreis‘ des Dachverbandes des Deutschen Buchhandels
  • 2004: ‚World Social Award‘ der Women’s World Awards
  • 2004: ‚Bischof Oscar Romero Preis‘ der Katholischen Männerbewegung in Österreich
  • 2007: Sie wurde vom französischen Präsident Nicolas Sarkozy zu einem ‚Chevalier de la Legion d’honneur‘ ernannt

 

Literatur (Literatur, Filme, Webseiten etc.)

Bücher:

  • mit Cathleen Miller: Wüstenblume, Schneekluth, 1998.
  • mit Jeanne D’Haem: Nomadentochter. Blanvalet, 2002.
  • mit Corinna Milborn und Christian Nusser: Schmerzenskinder. Marion von Schröder, 2005.
  • mit Christian Nusser: Brief an meine Mutter. Ullstein, 2007.
  • Schwarze Frau, weißes Land. Droemer, 2010.
  • Safa, die Rettung der kleinen Wüstenblume. Knaur Verlag, 2013.
  • My Africa – The Journey. Desert Flower Foundation, 2017.

Filme:

  • Eine Nomadin in New York. Dokumentation der BBC, 1995.
  • Wüstenblume, Spielfilm von Sherry Hormann, 2009.

Webseite:

Desert Flower Foundation: https://www.desertflowerfoundation.org/de

Verbot von Folter oder grausamer, unmenschlicher Behandlung
Recht auf Gesundheit
Recht auf Gesundheit
Recht auf Gesundheit

EINLEITUNG

Waris Dirie ist eine der bekanntesten Aktivistinnen gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM). Ihre Lebensgeschichte, die in ihrer Autobiographie „Wüstenblume“ festgehalten wurde, hat weltweit Bewusstsein für diese Praxis geschaffen. Als ehemalige UN-Sonderbotschafterin und Gründerin der Desert Flower Foundation setzt sie sich für die Rechte von Frauen und Kindern ein.

DIE GESCHICHTE

„Anything to do with females is considered less important.” [1]

Waris Dirie wurde um 1965 in Galkayo, Somalia, in eine nomadische Familie geboren. Schon früh prägten harte Lebensbedingungen und patriarchale Strukturen ihr Leben. Mit ungefähr fünf Jahren erlebte sie die grausame Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM), die in ihrer Kultur als notwendiges Ritual angesehen wurde. Diese traumatische Erfahrung und die physischen Auswirkungen sollten sie ihr Leben lang begleiten. Mit nur fünf Jahren wurde sie unter primitivsten Bedingungen beschnitten, ein Ereignis, das sie später in ihrer Autobiografie Wüstenblume detailliert beschrieb. Im Gegensatz zu vielen Mädchen in ihrer Umgebung überlebte sie diesen Eingriff. [2] Nach Schätzungen von UNICEF sind weltweit über 230 Millionen Mädchen und Frauen Überlebende von weiblicher Genitalverstümmelung und mehr als vier Millionen Mädchen weltweit sind jährlich von Genitalverstümmelung bedroht. [3]

Mit 13 Jahren sollte Waris Dirie gegen ihren Willen mit einem 60 Jahre alten Mann verheiratet werden. Ihre Mutter unterstützte Dirie bei ihrer Entscheidung, dieser Zwangsehe zu entkommen. Sie floh nachts, barfuß und ohne Nahrung durch die Wüste, um ihre Tante in Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, zu erreichen. Während ihrer Flucht entkam sie gefährlichen Situationen, wie dem Aufeinandertreffen mit einem Löwen und zwei sexuellen Übergriffen. Schließlich fand sie Zuflucht bei verschiedenen Verwandten, ehe sie gemeinsam mit ihrem Onkel nach London reiste. Dort arbeitete sie für ihren Onkel, den somalischen Botschafter, als Haushaltsgehilfin. [4]

Ihr Leben nahm eine dramatische Wendung, als sie von einem Fotografen entdeckt wurde. In den 1980er Jahren begann ihre Karriere als Model und sie wurde bald international bekannt. Sie lief für große Modemarken auf dem Laufsteg und erschien in bekannten Modemagazinen. Trotz ihres Erfolgs fühlte Dirie, dass ihr Leben einen größeren Sinn haben musste. [5]

1997 brach Dirie bei einem Interview mit der Zeitschrift Marie Claire ihr Schweigen über die Erfahrungen mit FGM. Ihre Offenheit schockierte die Welt und brachte das Thema erstmals in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. [6] Im selben Jahr wurde sie zur UN-Sonderbotschafterin für die Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung ernannt. Sie begann, ihre Plattform zu nutzen, um für die Rechte von Frauen und Mädchen zu kämpfen, die Opfer dieser Praxis sind. [7]

„This is abuse against a child, so to say this is your ‚thing‘, it’s to do with your religion or race, it’s all wrong. This is about child protection. I don’t see anything else, and I think it’s covered up by racism, and the idea that ‚I don’t want to get involved‘. It’s pure violence against girls, and it destroys the rest of their lives. And for what? For who?“ [8]

1998 veröffentlichte Waris Dirie ihre Autobiografie Wüstenblume, die zum internationalen Bestseller wurde. Das Buch schildert ihre traumatischen Erfahrungen und ihren beeindruckenden Lebensweg. Es brachte die Thematik von FGM in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit und diente als Ausgangspunkt für ihren Aktivismus.

2002 gründete sie die Desert Flower Foundation, die sich der Bekämpfung von FGM widmet und Überlebende unterstützt. Die Organisation konzentriert sich auf Prävention durch Bildung und bietet medizinische Hilfe für Betroffene an. 2022 eröffnete sie das erste medizinische Zentrum in Berlin, das auf rekonstruktive Chirurgie für Frauen nach FGM spezialisiert ist. [9] Waris Dirie wies in einem Interview darauf hin: „Mit Religion hat die Verstümmelung übrigens nichts zu tun, der einzig wahre Grund und Zweck ist die Unterdrückung von Frauen. Es ist die brutalste Form der Unterdrückung.“ [10]

Waris erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den französischen Orden ‚Chevalierde la Légion d’Honneur‘. Trotz des internationalen Erfolgs und der Anerkennung blieb sie ihren Wurzeln treu. Ihre Arbeit gegen FGM wird von ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Wunsch inspiriert, zukünftigen Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen. [11]

In einem Interview mit The Guardian sagte Dirie: „I don’t want little girls to be like me, to travel the world to find out that this doesn’t happen [to all women] and what has happened is wrong.“ [12] Sie betont außerdem, wie wichtig es ist, gemeinsam für etwas zu kämpfen: „Soziale Veränderungen bewirkt man nur durch Handeln, nicht alleine durch Reden. Also mache ich den Anfang und hoffe, dass andere mitziehen.“ [13]

Waris Diries Geschichte ist ein kraftvolles Beispiel für Mut, Widerstand und den unermüdlichen Kampf für Menschenrechte.

 

Autorin: Leyla Stuck

Kontakt: info@fritz-bauer-forum.de

 

Quellen:

Desert Flower Foundation, URL: https://www.desertflowerfoundation.org/de [letzter Aufruf 01.08.2025].

Dirie, Waris/ Miller, Cathleen: Wüstenblume. Schneekluth, 1998.

Lemme, Ariane: „Brutalste Form der Unterdrückung“, in: taz (2010), URL: https://taz.de/Afrikanischer-Superstar-Waris-Dirie/!5142395/ [letzter Aufruf 01.08.2025].

Saner, Emine: Waris Dirie: ‚Female genital mutilation is pure violence against girls’, in: The Guardian (2013), URL: https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2013/oct/14/waris-dirie-female-genital-mutilation-fgm [letzter Aufruf 01.08.2025].

UNICEF: Gemeinsam gegen weibliche Genitalverstümmelung, URL: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/maedchenbeschneidung-stoppen, [letzter Aufruf 01.08.2025].

 

Fußnoten: 

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